Relaxt. Ein Wochenende Mecklenburgische Seenplatte

Als Berliner fällt es leicht, das als sonnig angekündigte Wochenende in den Parks oder an den Plätzen am Ufer zu planen von denen die Hauptstadt strotzt. Wäre da nicht die Betriebsamkeit der Umgebung, die einen vom chillen ablenkt, die Freunde die einem zum Ausgehen antreiben und überhaupt der immer wiederkehrende Gedanke: „Was geht denn sonst noch so?“.

Raus aus der Stadt – Aber nicht zu weit

Um sich ehrlich zu erholen wählen wir einen Landstrich, wo sich Fuchs und Hase „Gute Nacht“ sagen (wobei man gestehen muss, dass gerade diese beiden Tierarten aus besagtem Sprichwort selbiges auch in der Großstadt tun).

Mit 1,5 Stunden Anfahrt ist das Örtchen Zislow verkehrsgünstig gelegen und spontan finden wir uns am Freitag Abend an der Mecklenburgischen Seenplatte wieder. Auf einen Luxus, den uns die Hauptstadt bietet wollen wir nicht verzichten: Tierfreie Mahlzeiten. So fällt die Wahl unserer Beherbergung auf ein Landhaus namens „Die Arche„, welche uns ein Vegetarisch-veganes-Frühstücksbuffet verspricht. Die totale Ruhe finden wir unmittelbar bei der Ankunft vor. Gespenstisch, wenn die eigenen Körpergeräusche plötzlich hörbar sind, sobald der Motor abgestellt ist und man vom Kiesplatz vor dem Haus in den Sternenhimmel guckt.

In der Arche kann man sich wohlfühlen, wenn man es kommod mag. Zu unserer Überraschung versteht sich das Haus nicht nur als Herberge für diverse Tiere (unser Stadt-Hund hat im Garten viel zu bestaunen) sondern macht seinem Namen auch alle Ehre als Botschafter der Bibel und diverser göttlicher Magazine. Einige der Mitbewohner sind zum Fasten angereist, was einen nicht dazu verleiten sollte, sich beim Buffet zurückzuhalten um die neidischen Blicke der Brühe-Trinker zu vermeiden.. denn dafür ist es viel zu wohlschmeckend, so wie vielfältig.

IMG_2763        IMG_2758        IMG_2755

Ausflug NO I

Frisch und gestärkt machen wir uns zum ersten Ausflug auf in das beschauliche Waren. Mit Blick aufs Wasser verbringen wir den Tag am Ufer der Binnenmüritz, verputzen ala Tupperparty die Reste aus unserem Kühlschrank und lassen uns von der Sonne wärmen. Das architektonisch durchaus ansehnliche Müritzeum bestaunen wir nur von aussen, da wir die Umgebung auch ohne Museum schon als ausreichendes Naturerlebnis empfinden.

Lost im Wald

Eingerahmt von Wald und Feld brennt es mir unter den (Zehen-)Nägeln, vor dem Abendessen noch eine Runde zu joggen. Wie es sich für einen anständigen Erholungsort gehört, versagt das Handynetz und die scheinbar endlose Natur wird Zeuge meiner Orientierungslosigkeit. Mutterseelenallein kann man sich kilometerweit bewegen. Was zum Vorteil hat, dass einen beim Stolpern über die sehr naturbelassenen Wege keiner sieht. Der Nachteil ist, es findet sich Niemand um nach dem Weg zu fragen. Die Belohnung für die unfreiwilligen Zusatzmeter spüre ich verschwitzt am üppigen Salatbuffet auf, mit dem besten Kürbiskern-Avocado-Dressing, dass wir je gekostet haben.

Den geschmuggelten Rotwein (der Verzicht auf Alkohol gehört zur Herbergs-Vital-Philosophie) lassen wir uns bei einem Brettspiel auf dem Zimmer schmecken. Nachts gibt es hier nichts zu sehen, mit Verlassen des Gutes, findet man sich in der Finsternis wieder.

Mit dem bereits geschätzten Frühstück beginnen wir den Sonntag und krönen diesen mit einer Massage, wobei die sympathische Hausherrin  höchstpersönlich Hand anlegt. Spätestens jetzt hat uns die Erholung geschnappt.

Ausflug NO II

Auf dem Heimweg machen wir noch einen Abstecher nach Plau am See. Wie der Name des super-renovierten Örtchens verrät, sitzt es sich auch hier am Ufer am besten und es hat einen langen Bootssteg mit Leuchtturm (ob der wohl einen Zweck verfolgt, oder rein dekorativ ist?). Für die kulinarischen Geniesser sei noch das Café Flair zu erwähnen. Hier nimmt sich der Koch den Spruch auf der Karte „Wir erfüllen unseren Gästen gerne individuelle Wünsche!“ sehr zu Herzen. Gäste, die auf Tierprodukte verzichten mögen, hat es hier wohl noch nie gegeben… damit rechnen wir. Wovon wir überrascht sind, ist der bestehende Enthusiasmus seinerseits unseren Geschmack zu treffen. Von bunt belegten Bruschetta und einer himmlischen Salatvariation gestärkt, treten wir vergnügt die Heimfahrt an.

Ausflug nach Zislow

Von Drachen willkommen geheissen

Und wie ist das mit der Vorfreude auf die Rückkehr, wenn man in einer aufregenden Stadt wie Berlin beheimatet ist?: Zu Hause ist es doch am schönsten!  Das hinterfragen wir noch mal, als wir kurz vor Kreuzberg auf dem Tempelhofer Damm im Stau landen und unseren frisch mit Natur getankten Lungen die Abgase nur ungern zumuten wollen. Ein Blick nach rechts auf das große Feld wo die Drachen in der Spätnachmittags-Sonne tanzen versöhnt uns mit der Stadt und wir sind Zu Hause.

Leave a Reaction

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.